

Das in Münster gefochten wird, ist nichts neues, denn die Sportfechter gibt es schon seit 100 Jahren in Münster.
Auch wird vor Gericht täglich etwas ausgefochten. "Ich werde diese Entscheidung anfechten!" wird man auch wohl öfters zu hören bekommen. Doch wer bringt einen Rechtsstreit mit einem Schwert in Verbindung? Nun im Mittelalter war das noch selbstverständlich.
Aus dem mittelhochdeutschen kommt das anevehten, das heißt gegen jemanden kämpfen; jemandem etwas abgewinnen; beunruhigen oder althochdeutsch anafehtan = (an)kämpfen, schlagen.
Heutzutage wird nur noch mit Worten vor Gericht gefochten und die Gottesurteile gibt es auch nur noch in Filmen oder auf Mittelaltermärkte als Unterhaltungsprogramm.
Das Fechten "wie bei den Rittern" gibt es jedoch schon noch. Seit Sommer 2011 ist die Trainingsgruppe HISTORISCHES FECHTEN, Stilrichtung Krifon, eine Abteilung der TG-Münster und Mitglied im Deutschen Fechterbund.
Aber was genau ist den jetzt eigentlich Historisches Fechten? Und woher will man wissen, wie man damals gefochten hat?
Aus Vorlagen historischer Quellen und modernen sportlichen Erkenntnissen versucht man sich ein Bild von der Fechtkunst des 13.-17. Jahrhunderts zu erstellen.
Im 14. Jahrhundert entstand das Langschwertfechten, so wie es in den Fechtbüchern zu finden ist, ebenso das Lange Schwert als Fechtwaffe.

Und was bedeutet Krîfon?
Krîfon bedeutet "Greif" und ist zusammengesetzt aus dem französischen Wort "griffon" und dem mittelhochdeutschen Wort "krîfe". Der Greif vereint als Löwe und Adler die Attribute beider Tiere - passend zum Fechten.
Durften auch Frauen kämpfen?
Ja! Obwohl die Frauen in der Literatur des ausgehenden Mittelalters im Vergleich zu den Männern nur wenig erwähnt wurden, sollte man nicht davon ausgehen, dass es keine kämpfende Frauen gab. Man braucht z.B. nur an Johanna v. Orleans oder Herzogin Adelheid denken.
Laut dem Sachsenspiegel haben die Frauen bei einem gerichtlichen Zweikampf das Recht (nicht die Pflicht), sich vertreten zu lassen. Eine Szene in der eine Frau selbst zur Waffe greift wird in der „Spiezer Chronik“ des Diebold Schilling gezeigt. Fechten will jedoch gelernt sein, was darauf schließen lässt, dass Fechtmeister bisweilen auch weibliches Publikum haben konnten.
In Talhoffers Fechtbuch wird 1467 dem Kampf zwischen Mann und Frau sogar ein eigenes Kapitel gewidmet, in welchem besondere Regeln vorgestellt werden.

"Nur" Sport, oder könnt ihr auch kämpfen?
Natürlich könne(t)n wir auch kämpfen.
Doch Fechtkunst ist viel mehr. Fechtkunst verfolgt vor allem, die Beherrschung der Waffen. In Sachen Dynamik, Klingen-und Beinarbeit ist Historisches Fechten die höchste Stufe des Waffentrainings. Jedoch führt der Weg nicht allein über Freikampf, sondern vor allem über das langwierige intensive Erlernen der überlieferten Techniken um die Fechtkunst ganzheitlich aufzunehmen. Der Kampf ist ein Bewegungsfeld, was uns beim Erlernen der Fechtkunst dient und nicht umgekehrt.
Aber gefährlich ist das trotzdem?
Wenn man nicht weiß, was man tut, sind alle "Sportarten" und natürlich Waffen gefährlich.
Ganz besonders der Vollkontakt, zudem ist er auch noch unauthentisch!
Fechtmasken sowie spezielle Schutzkleidung gibt es noch gar nicht so lange. Daher MUSSTE vorsichtig und langsam trainiert werden. Miteinander statt gegeneinander. Kein schnelles "Gekloppe" sondern viele Wiederholungen.
In diesem Sinne sprach und spricht man auch von FechtKUNST und nicht Fechtkampf. Kampffertigkeit ist einer der Effekte, aber der Weg ist viel filigraner. Ein Fechtmeister aus der Entstehungszeit des Langschwertfechtens beschreibt 1389 das Training mit folgenden Worten: „Je mehr du dich darin im Spaße übest, je mehr denkst Du daran im Ernst.“
Aber es ging doch ums Töten?!
Nein, das war nur „nebenbei“ wenn es wirklich ernst wurde. Bloßfechten ist eine zivile Fechtkunst für jeden der es sich leisten konnte. Schon sehr früh merkte man, dass das Fechttraining weit mehr bewirkte, als die Verbesserung der Kampffertigkeit. Die Fechtkunst war in erster Linie eine Charakterschule und gesellte sich bereits im ausgehenden Mittelalter zu den Fertigkeiten, die ein nobler Mann mit Klasse besitzen sollte.
Noch mehr zu dem Thema Historisches Fechten und noch genauere Informationen findet ihr bei www.Krifon.de.
Auf dieser Seite sind lediglich ein paar vereinfachte Informationen und Auszüge zu finden.
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