TG Lesenacht: 65 Kinder bei der gelungenen Premiere

Von einer vagen Idee bis zur Durchführung

 

September 2003 – die Idee
Auf einer Autofahrt nach Berlin erzählte Tobias mir ganz stolz von seinem Vorhaben: Mit ganz vielen Kindern in einer Halle übernachten und eine Nacht lang Bücher lesen; einfach genial! Ich war sofort dabei, aber die Planung wurde auf die lange Bank geschoben.

Dezember 2003 – Wir machen es!
Im Januar sollte es soweit sein. Das Schlaun-Gymnasium hatte Hilfe angeboten und die Stadtbücherei wählte für uns Bücher aus. Es konnte losgehen! Ein 6-Seiten-langer Plan wurde aufgestellt und Aufgaben verteilt. Sarah (RSG), Tobias (Trampolin) und ich (Lydia vom Taekwondo), voll motiviert, hängten uns ans Telefon und vor den PC. Vorleser mussten eingeladen, Zuschussanträge geschrieben, die Halle angemietet werden und, und, und. Die ersten Probleme tauchen auf, aber wir wollten durchhalten.

Januar 2004 – Auch in den Ferien zeigten wir Einsatz
Ein Flyer musste her. Nach drei Stunden in der Geschäftsstelle und ein paar Meinungsverschiedenheiten stand er fest und wir druckten und kopierten die unglaubliche Anzahl von 600 Flyern und Plakaten.

Noch drei Wochen...
Es ging ans Verteilen – nun rasten wir drei bei Wind und Wetter und besonders bei Regen zu verschiedenen Turnhallen, Grundschulen und weiterführenden Schulen, nicht nur im Kreuzviertel, denn wir wollten so viele Kinder wie möglich erreichen. „Und wie viele passen in den Gymnastiksaal wohl rein?“ Wir einigten uns auf 120, und wussten gar nicht, was wir da sagten...

15.01.2004 – in der Stadtbücherei
Die Kiste mit Büchern wurde abgeholt, Bücher an die Vorleser verteilt. Das war also geklärt.

22.01.2004 – der eigentliche Anmeldeschluss
Bis jetzt kommen 25 – wir waren zufrieden. Eine übersichtliche Zahl, unsere Idee kommt also an, und Kinder sind den Büchern doch nicht so abgeneigt. So langsam kamen wir zur Ruhe und die Vorfreude bei uns wuchs. Dann die Idee: Wir verlängern den Anmeldeschluss bis zum 26.01.

25.01.2004 – spät abends...
Wieder ein Treffen. Die letzten Einzelheiten: Wie dekorieren, was essen und trinken, wer macht was, warum und wann und was, wenn’s schief geht? Dann kamen wir darauf, den Anrufbeantworter abzuhören: Die Anmeldezahl lag plötzlich bei 45. Das hatten wir nicht erwartet.

26.01.2004 – Materialsammlung
Die Schränke der TG und alle Abstellräume wurden mehrmals durchwühlt: Leselampen, Tücher, Kabeltrommeln, Mehrfachstecker, Plastikgeschirr, Tische, Bänke, Stühle... Nichts konnte unserer Fantasie entkommen! Und zu Hause ging es weiter: Keine Lichterkette war vor uns sicher! Vom Schlaun kam schon vorher das OK: Wir spenden „Gruselobjekte“. Was auch immer das sein sollte.

27.01.2004 – Und was jetzt?
70 Voranmeldungen! Ein bisschen Panik machte sich breit. Was war nur die Ursache unseres Erfolgs? Sollten wir drei mit den ganzen Kindern wirklich fertig werden?

28.01.2004 – Es gibt kein Zurück mehr
Die finale Einkaufsliste: Für den Notfall kauften wir für 100 Personen ein. Man weiß ja nie... Die Helferliste stand nun auch fest: 20 Vorleser, 6 wollten Übernachten. Also, alles klar! Die Bücherei-AG des Schlaun unterstütze uns mit Vorlesern.

30.01.2004 10 Uhr – Der Countdown läuft...
Tobias fängt schon mal an den Anmeldungsbereich herzurichten.

10:30 Uhr
Thomas kommt – mit Skelett, Eulen und Gespenstern vom Schlaun unterm Arm. Die Dekoration ist perfekt!

11:30 Uhr
Martin bringt seine Digitalkamera vorbei – es soll ja alles verewigt werden.

15:00 Uhr
Auch ich habe es endlich geschafft, in die Halle zu kommen. Bepackt mit Schlafsack, Isomatte und einem Haufen Kleinigkeiten. Es geht sofort los: Tische von oben nach unten schleppen, Gymnastiksaal putzen, die letzten Zettel drucken, Uhrenvergleich:

16:30 Uhr
Sarah und Karin kommen und das Dekorieren kann beginnen. Stoffbahnen werden ausgerollt und verklebt, Kabel verlegt, Lampen aufgehängt...

17:00 Uhr
Hilfe naht: Die Kung-Fu Truppe trägt die restlichen Tische. Zeit für uns noch mal alles durchzusprechen.

18:15 Uhr
Geschafft! Alles steht, hängt oder liegt an seinem Platz. Sarah und Tobias eilen noch mal nach Hause: Schlafsack vergessen...

18:30 Uhr
Die ersten kommen an. Wo sind nur unsere Helfer?

18:45 Uhr
Teresa, Karin, Tobias, Sarah – alle beschäftigt und ich im Gespräch mit der Presse. Auch das muss sein!

19:00 Uhr – Der offizielle Beginn
Die Hälfte ist schon eingetroffen und oben im Gymnastiksaal sieht’s schon sehr gedrängt aus. Das soll passen?

19:15 Uhr
Und die nächste Zeitung bittet zum Interview... Nebenbei noch schnell Eltern beruhigen. „Ja, wir passen auf Ihr Kind besonders auf.“

19:30 Uhr
Oben kommt man sich vor wie im Ferienlager. Die ersten Chipstüten werden aufgemacht, Streitereien um den besten Platz und um die Luftpumpe. Alles läuft wie geplant.

20:00 Uhr
Große Runde mit allen 65 Kindern und 20 Vorlesern und Betreuern: Auch hier gibt es Regeln. Wie lange werden sie wohl halten?

20:15 Uhr
Los geht’s mit dem Vorlesen und... „Das Buch ist langweilig“ „Ich hör nix“, „Was ist denn mit der Überraschung?“ Oh je, was nun? Ruhe bewaren, ein bisschen gutzureden und motivieren zum Durchhalten.

21:30 Uhr
Endlich! Jörg, unsere Überraschung, beginnt mit seiner langersehnten Einrad- und Jonglage-Show. Alle sind begeistert!!

22:15 Uhr
Weiter geht’s, und es geht besser: Es wird ruhiger, die Bücher spannender und die Kinder glücklicher. Die Nacht ist aber noch lang...

0:30 Uhr
Müdigkeit, was ist das?
Die Kids werden wieder lauter. Die Geduld ist bei einigen dahin. „Bücher sind doch doof!“

1:00 Uhr
Alternativ-Lösung: OK, Bücher doof, spielen unten in der dunklen Halle gaaaanz toll. Karin, Thomas und Teresa schnappen sich alle aufgedrehten Kinder, geben Gas und sind nach einer Viertel Stunde kaputt: Die Kinder noch lange nicht.

1:02 Uhr
Oben ist der Rest richtig still geworden. Taschenlampe leuchten in Bücher, 20 schlafen schon, und die Vorleser sind unermüdlich am Kämpfen, den Rest auch noch „tot“ zu kriegen.

2:30 Uhr
Nun ist genug. Zähneputzen, ab in den Schlafsack... Noch lange keine Nachtruhe in Sicht.

3:00 Uhr
Neue Bücher werden rausgesucht. Die Hälfte der Kids ist noch auf den Beinen.

3:30 Uhr
Endlich! Nur noch ein harter Kern ist wach.

4:00 Uhr
Nun sind die Betreuer an der Reihe: Zähneputzen, Luftmatratzen aufpumpen, Schlafsack ausbreiten. Thomas ist mutig: Nimmt sich ein neues Buch und legt los.

4:15 Uhr
Zwei Betreuer und drei Kinder hören noch zu...

5:00 Uhr
Thomas und die kleine Lara... Sie will es bis zu Ende hören. Noch 100 Seiten... Thomas streikt, drückt ihr das Buch in die Hand und schläft ein.

5:30 Uhr
Die ersten wieder wach. Das war wohl nichts...

7:00 Uhr
Chaos wieder von neuem. Ich gehe erst mal runter – Die Lage überdenken und dann Frühstück machen.

8:00 Uhr
Licht an – Aufräumen!

9:00 Uhr
Mein Magen ist am Ende – und die Kinder müssen auch unbedingt was essen. Also, letzter Durchgang durch den Gymnastiksaal. Alles OK, aufgeräumt ist es! Auf zum Frühstück!

9:30 Uhr
Eltern trudeln ein. „Und? Hatten Sie viel zu tun?“ „Das ist wirklich richtig toll von Ihnen, was Sie hier mit den Kindern gemacht haben!“ „Was bis 5:00
Uhr????“ „Na dann bis zum nächsten Mal!“ Durchhalten, lächeln, Fragen beantworten...

10:00 Uhr
Alle Kinder weg – wir bleiben noch und die Arbeit kommt. Putzen, aufräumen, zwischendurch schnell essen...

13:00 Uhr
Ich fahre nach Hause – mit der Gewissheit, dass wir alle unser Bestes gegeben haben und nächste Woche Bilder und Geschichten von den Kindern über die letzte Nacht im Briefkasten haben werden. Denn einen Wettbewerb haben wir auch noch ausgeschrieben.

16:30 Uhr
Der Artikel hier ist nun fertig und ich denke übers Schlafengehen nach. Nein, das geht auch noch heute Abend. Lieber möchte ich mich bei unseren
Helfern bedanken: Klaus Bruckmann, der Bücherei-AG, Herrn Dr. Offermanns vom Schlaun; Golschan, Bärbel, Ralf, Lea, Johanna, Katharina, Alex, Maria, Hannes, Martin, Teresa, Karin, Thomas, der Geschäftsstelle,Sarah und Tobias. Ich danke euch vielmals und freue mich aufs nächste Mal!

Lydia Heidrich

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